Generation Praktikum – Tipps für deine Bewerbung

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Eigenmarketing für Ex-Praktikanten

Möchte man einen neuen Job haben, muss man sich bewerben. Be-werben, das heißt Werbung für sich machen. Das sagt sogar der Duden:

  1. Werbung für etwas treiben
  2. die Gunst von jemandem zu erringen suchen

Warum sollte ich, der Kunde, genau diese Zahnpasta kaufen? Ich muss auf den ersten Blick erkennen, warum sie besser ist als jede andere Zahnpasta im Regal, und dafür brauche ich Argumente, einleuchtende Beispiele. Es reicht nicht, einfach zu hören, dass die Zahnpasta motiviert und lernfähig gut für meine Zähne ist.

Alles Marketing?

Als Bewerber muss man sich also gut verkaufen. Aber sich richtig zu in Szene zu setzen und seine Vorzüge angemessen darzustellen, ist eine Kunst für sich. Jemand sagte mal zu mir:

„Nee nee, das ist kein doppeltes Fleischkäsebrötchen. Das ist ein Duett vom Schwein, im Weizenkrüstchen an Senfspiegel.“ Na das klingt doch irgendwie wirklich schon viel besser.

Die Uni allein bereitet uns nicht aufs Leben vor

Wir sind die Generation Praktikum. Wir haben große Träume und noch viel größere Ängste und Zweifel. Wir wissen, dass wir ohne Praxiserfahrung (selbst mit Top-Noten) für ein Unternehmen erst mal so wertvoll sind wie ein Kindergartenkind: wahrscheinlich voller Potenzial, aber da muss erst noch etwas geschehen; die Uni alleine bereitet uns nicht aufs Leben vor.

Nun kann man seinen Lebenslauf natürlich nicht abändern oder etwas dazu erfinden. Aber ein paar kleine Dinge kann man tun.

1) „Praktikum“ ist die neue „Arbeitserfahrung“.

Es war nicht „nur“ ein Praktikum. Während unsere Eltern vielleicht noch den Luxus hatten, ihre ersten Erfahrungen gleich bei vollen Gehältern sammeln zu können, müssen wir uns erst mal un- oder gering bezahlt beweisen. (Darauf, dass das unfair ist, will ich an dieser Stelle nicht eingehen. Darüber schreibt Sinah hier, und spricht damit wahrscheinlich so einigen von uns aus der Seele.)

Aber! Jetzt kommt das aber: das heißt nicht, dass wie noch keine Arbeitserfahrung haben. Mittlerweile weiß jeder, dass Praktikanten in vielen Fällen volle Arbeitskräfte sind – nur eben nicht voll bezahlt.

Wenn du also von deinem Praktikum schreibst, nenne es immer sowas wie „erste Berufserfahrung“. Es muss deutlich werden, dass du nicht erst laufen lernen musst – das hast du alles schon gemacht, du bist bereit für den Marathon. Was du jetzt willst, ist deine bereits vorhandenen Fähigkeiten einsetzen, um das besagte Unternehmen voranzubringen. Hast du schon ein zweites oder drittes Praktikum gemacht? Super! Dann hast du dort deine Kenntnisse schon vertieft und bist bereit, die Welt zu retten. You are ready to be hired.

Natürlich musst du erwähnen, dass es ein Praktikum war. Aber es liegt bei dir, dich mehr auf die Arbeitsinhalte zu konzentrieren, und weniger auf die Vertragsform. Das führt uns auch schon zu Punkt zwei:

2) Stelle in 1-2 Sätzen dein Erfolgsprojekt vor

Was war dein Baby? Was hast du in den 2, 4, 6 Monaten erreicht? Hast du einen neuen Prozess eingeführt, einen bestimmten Arbeitsschritt optimiert, einen neuen Kunden an Land gezogen? Überleg dir irgendwas, was dir in der Zeit gelungen ist; wo du einen Mehrwert hattest. Das ist ein starkes Argument, warum man dich zum Gespräch einladen sollte.

Es gibt solche und solche Praktikanten. Manche surfen den ganzen Tag im Internet, checken Facebook und spielen Candy Crush. Andere rackern sich ab, lernen jeden Tag dazu und beweisen sich. Zeige auf jeden Fall, dass du ein Praktikant der zweiten Kategorie warst, der so produktiv war wie jeder andere Festangestellte, nur eben leider zum Prakti-Gehalt. Verkauf deine Kompetenz nicht unter Wert! Du warst nicht „nur“ Praktikant, du hast gearbeitet. Punkt.

Das gilt auch für Aushilfsjobs. Überlege dir eine Sache, in der du Verantwortung übernommen hast, wo du dich gewinnbringend eingebracht hast oder wo eine Initiative von dir erfolgreich war. Wenn dein zukünftiger Arbeitgeber sieht, dass du tatsächlich etwas geleistet hast, erhöht das deine Chancen enorm.

3) Greifbare Beispiele

Die Konkurrenz ist groß – das Buzzword Motivation alleine reicht erst mal nicht. Eine Aufzählung von positiven Eigenschaften, losgelöst von konkreten Situationen, ist schwer zu begreifen – und wenig glaubwürdig. Aber wie zeigst du, dass das nicht nur eine Floskel ist? Und was hat dein zukünftiger Chef davon? Zum Beispiel:

Lernfähigkeit:

Anstatt einfach zu sagen, dass du schnell lernst, füge ein Beispiel hinzu: In meinem letzten Job (dem Praktikum) hat dies mir geholfen, auch kurzfristige Ad-Hoc-Aufgaben, z.B. Presseanfragen, eigenständig und mit hoher Qualität zu erledigen.

Motivation:

Anstatt nur zu beteuern, dass du motiviert bist, könntest du schreiben, dass du dich schon lange mit der Branche befasst hast und dich deshalb sehr gut auskennst. Bei deinem letzten Job (dem Praktikum) hat dir das geholfen, dich von Beginn an in laufende Arbeitsprozesse zu integrieren. So konntest du innerhalb kürzester Zeit verantwortungsvolle Aufgaben übernehmen, wie zum Beispiel die eigenständige Organisation von kleineren Pressekonferenzen.

Stressresistenz:

In deinem Aushilfsjob hast du 12 Stunden am Stück gearbeitet? Vielleicht nachts? Unter hohem Druck? Erkläre, wie du trotzdem immer super Arbeit geleistet und selten Fehler gemacht hast – selbst wenn die Hütte brennt.

Kundenorientierung:

Als Kellner hast du sie alle gesehen, verflucht – und dann angelächelt? Erkläre, dass dir das bei deinem letzten Job (dem Praktikum) dabei geholfen hat, auch mit schwierigen Kunden zu arbeiten und die Arbeit zu ihrer vollsten Zufriedenheit zu erledigen.

Was ich damit sagen will, ist dass in jedem beschissenen Job etwas Positives steckt, das du für deine Bewerbung herausfiltern kannst. Du musst nur ein bisschen suchen.

4) Mut zur Lücke.

Nicht alle positiven Eigenschaften und Beispiele sollten ins Anschreiben, sonst wird es zu lang. Schaue dir die Stellenbeschreibung sorgfältig an und wäge ab, auf welche 2-3 Eigenschaften du dich konzentrieren solltest.

So, das wär’s erst mal.

Wie du siehst, habe ich auch nicht das Geheimrezept zur perfekten Bewerbung. Aber was du dir hoffentlich aus diesem Artikel mitnimmst ist: nur weil du noch nicht vollbezahlte/r Festangestellte/r angestellt warst, heißt das nicht, dass du nicht genug Erfahrung und Kompetenz hast, diesen bald zu bekommen. Habe Selbstvertrauen, wenn es um deine bisherige Arbeitserfahrung geht – nur weil sie nicht bezahlt wurde, heißt das nicht, dass du nicht genauso viel geleistet hast, wie jeder andere Mitarbeiter.

Viel Erfolg beim Eigenmarketing, du Duett vom Schwein, im Weizenkrüstchen an Senfspiegel, du.

Fotocredit: Christina Wunder

Veröffentlicht von

Christina war mal Generation Praktikum. Doch dann geschah etwas Sagenhaftes: sie fand einen Job. Nun arbeitet sie tagsüber als Pressereferentin bei einem Forschungszentrum und schreibt nachts Geschichten auf - über ihren Berufseinstieg, über Bewerbungen und professionelles Eigenmarketing für junge Absolventen. Schau doch mal vorbei: www.chapteronemag.com

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